Gedichte
Ob gekocht im Gericht oder als Zutat roh im Salat – die Zwiebel bläht unweigerlich deine Gedärme auf. Voller Luft gefüllt erklingen die Melodien aus deinem Bauchraum. Nur kein Aftersausen jetzt!
Weich und dennoch fest
Frischwarmer Lehm im Frühling
Hausbau mit Bedacht
Winterlandschaft ruht
Erdboden schneebegraben
Kampflos ergeben
Von Edita Gmür, entstanden am Wochenende "Meditative Poesie".
Tosendes Gewässer
Ewig gleichen Schalls
Umspült, verwunden, tropfend seins
Des Mundus dicht
Die alldurchdringende Liebe ist Wissen und Macht
Verzweifelten gibt sie Struktur, Suchenden Kraft.
Von André Gmür, entstanden am Wochenende "Meditative Poesie".
ANDENKEN
Es ist, als klebte noch etwas Erde an den Händen,
Denn ich spüre, wie sie eben einander umwenden.
Diese Würze des Atems ist bloss Gedächtnis,
Doch als Verführung durch Rohes ein Vermächtnis.
Wieder höre ich die Kühle von Vogelstimmen,
Die wie muntere Strahlen in mein Rückgrat rinnen.
An Randzonen des Körpers bleibt ein feiner Widerstand,
Indes Geistes Herz und Mark zerfliesst ins Morgenland.
HAIKU
Verborgenes Herz,
Lasse dein Tor aufwehen
Und mich eintreten!
SCHENKSTUBE
Von pichener Schläfrigkeit umschmeichelt,
Wartet ein staubiger Krug in der Schenke der Träume,
Auf dass der Wirt ihn ausgiesse und ihm aufzäume
Das feurige Ross, vor dessen Tritt alles davon weicht.
HAIKU
Sprödes Schamgefühl
Sorge in der Schieflage
Allzu dünne Haut
WEITVERSCHIEBUNG
Bisweilen ist bloss die Nase gelassen.
Sehnlich stolpern Sinne nach draussen,
Fallen ins stumme Stehen verschobener Zeit.
Auf einmal erblüht ein Lichtgruss unweit.
Entfernt türmt sich eine Fontäne des Schalls
Und lässt herrieseln die silbernen Fäden des Alls.
Von Patrick Schneebeli, entstanden am Wochenende "Meditative Poesie".
3 HAIKU
Das Geld liegt so schwer
auf dem Gemüt der Menschen
Niemand versteht es.
Verspielte Blüten
Donner rollen brausend auf
Nur noch Traurigkeit.
Ohne Gedanken
die sich denken wollen
entblösste Leere.
Von Andrea Steimer, entstanden am Wochenende "Meditative Poesie".